Estland
Two in a box Logo klein
Two in a box Logo klein
two in a box schriftzug

Wir sind ja ziemlich spät über die Russisch-Estländische Grenze gefahren, es war so gegen 21:00 Uhr. Die Zöllner auf der Estischen Seite waren entgegen den Russen kurz vorher sehr entspannt und freundlich. Außerdem sprachen sie alle Englisch, so war die Verständigung wieder einwandfrei möglich.
Wir wollten eigentlich direkt bei der Grenzstadt Narva einen Stellplatz suchen, wir hatten vorher einen Tipp bekommen, dass es direkt bei Narva einen schönen Strand mit Stellmöglichkeiten gibt.  Den Strand haben wir auch gleich gefunden, allerdings haben uns die Stellplätze nicht gepasst. So sind wir dann weiter am Meer entlang. Unterwegs hatten wir noch ein paar weitere Möglichkeiten angeschaut, alle sehr schön gelegen, aber als wir aus dem Auto ausgestiegen sind, hatten wir in Sekunden X-Mückenstiche, so dass wir uns sofort wieder ins Auto flüchten mussten. Das geht doch besser, hatten wir uns gesagt und sind weiter. Mittlerweile war es schon kurz vor Mitternacht und wir hatten noch keinen Übernachtungsplatz. Wir waren schon ziemlich am Ende, als wir durch das Städtchen Sillamae kamen. Mitten in der Ortschaft gab es einen breiten Zugang zum Meer. Eigentlich eine Sackgasse mit etwas Grün drumrum, aber breit genug um unseren UHU dort hinzustellen. Wir hatten uns direkt an der Kante zum Strand hingestellt und dachten uns noch, da können wir morgen schön frühstücken. Die Nacht war sehr angenehm, dafür der Morgen um so lauter. Als ich vom Lärm aufgeschreckt bin und aus dem Fenster geschaut habe, hätte mich fast der Schlag getroffen: Direkt vor uns ein Tieflader mit einem riesigen Stahlkessel drauf, daneben ein Bagger, etliche Begleitfahrzeuge und mind. 10 Leute drumrum. Offensichtlich wollten sie dem neben uns gelegenen Werk dieses riesen Teil bringen und einbauen. Zum Glück sind wir soweit an die Kante zum Meer gefahren, so dass wir nicht im Weg standen. Ich weis nicht wer wen mehr angeschaut hat, die uns oder wir sie. Nach kurzer Zeit war dann klar, wir müssen nicht gleich weg, können also dem Treiben noch zuschauen und im Auto frühstücken. Nachdem der Tieflader seine Ladung abgeladen hatte und der Bagger das Ding aufs Nachbargelände geschafft hatte, hatten wir die Möglichkeit genutzt und sind dem Tieflader gefolgt, um uns aus der etwas misslichen Lage zu befreien. Leider ist es so mit dem gemütlichen Frühstück am Meer nichts geworden.

Am zweiten Tag sind wir der Küste weiter gefolgt. Caro hat gelesen, dass hier Steilküste ist und die wollten wir uns anschauen. Wir sind durch viele klitzekleine Straßen gefahren, immer an der Abrisskante zum Meer, als wir die kleine Ortschaft Saka Cliff erreichten. Der Ort bestand aus ein paar Häusern und einem schönen Herrenhaus, dass zum Hotel umgebaut wurde. Das Hotel war sehr aufwendig gestaltet, mit großem Spa-Bereich, Restaurant und neben dem Parkplatz einen kleinen Campingplatz. Hier konnte man für 11,50 Euro stehen, mit Strom, Dusche usw. Sehr schön! Das Beste war jedoch der mittels einer langen Holztreppe direkte Strandzugang; und der Strand enttäuschte keineswegs. Hier kann man ein paar Tage bleiben. Wunderbar.

1401 EST Saka Cliff1402 EST Saka Cliff

Wir überlegten noch kurz, ob wir uns einen freien Stellplatz suchen sollten, hier gab es wirklich viele Möglichkeiten, aber das herannahende Gewitter hat uns dann doch veranlasst den Campingplatz zu bevorzugen. Das Gewitter war nicht von schlechten Eltern und hat gleich mal die ganze Ortschaft von der Stromversorgung abgeschnitten. Somit ging nichts mehr: keine Dusche, kein Klo, kein Licht und kein Internet. Alles was einen Campingplatz ausmacht war plötzlich mit einem Schlag dahin. Nachdem es am nächsten Tag so aussah als es sich einregnen würde, beschlossen wir dann doch weiterzufahren, nachdem noch immer kein Strom vorhanden war.

Irgendwie ist es verteufelt: In den Städten haben wir meist viel Glück und haben das beste Wetter, teilweise wie in St. Petersburg viel zu warm mit 32 Grad. Aber immer wenn wir uns aufs Land begeben und ein paar Tage am Strand verbringen wollen, dauert es meist nicht mehr lange und das Wetter wird schlecht. Das Problem verfolgt uns nun schon seit Anfang der Reise. Zumindest wissen wir nun, wenn wir besseres Wetter haben wollen, dass wir in irgendeine Stadt fahren müssen.

1400 EST Saka Cliff1404 EST Saka Cliff

Wir sind an der Küste geblieben und kamen durch das Städtchen Kunda, das leider einen sehr wüsten Eindruck auf uns machte. Die Straßen waren in einem erbärmlichen Zustand, wenn sie überhaupt vorhanden waren, wie unten auf dem Bild: Ein Kreisverkehr ohne Teer mit vier angrenzenden Schotterstraßen. Die Industriegebäude links und rechts sahen sehr runtergekommen aus, waren aber noch im Betrieb. Einen schönen Anblick suchten wir leider vergebens. Witziger weise stach genau an diesem Kreisverkehr ein nigelnagelneues Gebäude aus dem Einheitsgrau hervor. Wie sich herausstellte eine LKW-Werkstatt mit Teile und Zubehör Verkauf. Wir waren ja schon seit längerem auf der Suche nach Fett-Kartuschen zum Abschmieren, da unsere drei, die wir mitgenommen haben bereits leer waren. Also gleich rein und nach Fett-Kartuschen gefragt. Sie hatten auch welche da, allerdings nicht für unsere Fettpresse, also musste auch noch eine neue Fettpresse her, aber für vier Kartuschen inkl. Einhandfettpresse (von Würth !) habe ich nur 20 Euro bezahlt. Das ist günstig! Vom Preis inspiriert, habe ich dann gleich gefragt, ob sich jemand unser Problem mit der Achsschenkelschmierung mal anschauen könnte. Der Verkäufer ging gleich in die Werkstatt und hat seinen Werkstattmeister gesucht. Nach ein paar Minuten kam er mit seinem Meister zu unserem Auto. Der Verkäufer übersetzte alles vom Englischen ins Estländische. Es hat keine 30 Sekunden gedauert, da war der Meister schon mit Schraubenschlüssel und Fettkartusche unterm LKW. Ein Abschmiernippel musste getauscht werden. Wir mussten mithelfen und immer nach links und rechts lenken. Nach ein paar Minuten war das Ganze erledigt. Als ich nach dem Preis fragte, ging der Verkäufer in sein Büro und ich dachte er schreibt uns eine Rechnung. Dann kam er wieder und sagt es mache 5 Euro, inkl. Schmiernippel und einer ganzen Fettkartusche, die er verbraucht hatte. Da machen kleine Probleme wieder Spaß, sehr freundliche Hilfe, schnell und super günstig. Perfekt.   

1407 EST1408 EST

Wir hielten dann unterwegs noch ein paar mal, unter anderem bei einem alten Fischerdorf Namens Altja, das wir kurz zuvor von einem Schweizer Ehepaar empfohlen bekommen haben. Das Dorf bestand aus vielen kleinen Reed-gedeckten Häusern und einer Wirtschaft wie im Mittelalter. Nachdem es mal wieder geregnet hatte (wir sind ja auf dem Land) beschlossen wir zuerst in die Wirtschaft zu gehen und dann erst den Rundgang durchs Dorf zu machen. Es war eine gute Planung. Der Schweinsbraten mit Sauerkraut und Püree (eine seltsame Mischung, aber trotzdem sehr gut) lag schon etwas schwer im Bauch und das Wetter besserte sich auch etwas. Perfekt für einen Spaziergang. 

1414 EST1416 EST

Am Abend trafen wir Hanna und Philipp, die wir schon aus St. Petersburg kannten, durch Zufall wieder. Wir konnten gerade noch miteinander grillen, bevor der Himmel richtig seine Schleusen öffnete und wir uns zum Schluß nur noch ins Auto retten konnten.

Dann ging es auf nach Tallinn, der Hauptstadt von Estland. Caro hat herausgefunden, dass man auf den Parkplätzen für 24 Stunden stehen kann. Also brauchten wir keinen teuren Campingplatz. Wir steuerten einen zentralen Parkplatz direkt neben dem Freiheitsplatz am Rande der Innenstadt an. Wir standen perfekt, nach ein paar Schritten waren wir bereits in der Innenstadt. Es regnete leicht, aber der Wetterbericht versprach für den nächsten Tag Besserung, klar wir sind ja auch in einer Stadt. PS: In Tallinn kann man auf fast allen Parkplätzen für längere Zeit stehen, 24 Stunden kosten, je nach dem wie weit man von der Innenstadt entfernt ist zwischen 1,60 und 9,40 Euro. Wir standen gleich für drei Tage auf dem Platz. Kaum angekommen standen plötzlich Hanna und Philipp mit ihrem T3 wieder neben uns. Wir verabschieden uns immer und freuen uns, wenn wir uns kurze Zeit später durch Zufall wieder treffen. Das klappt besser, als würde man sich verabreden!

1423 EST Tallinn1483 EST Tallinn

Der erste Eindruck von Tallinn war schon sehr überzeugend. Die Stadt (500.000 Einwohner) ist sehr modern und hat diesen modernen Baustil sehr gut mit der alten Innenstadt (viele Gebäude aus dem 14. Jahrhundert) kombiniert.

1465 EST Tallinn1502 EST Tallinn

Am nächsten Tag haben wir uns dann in die Altstadt aufgemacht. Die vielen kleinen Gässchen und die alten super schön erhaltenen Gebäude machen einen sehr gepflegten und liebevollen Eindruck auf uns. Auch die vielen Lokale und Restaurants, die sich aneinander reihen und voll mit einem bunten Volk sind, machen diese Stadt so lebendig und liebenswert.

1425 EST Tallinn1427 EST Tallinn

Eigentlich wollten wir uns noch gar keine andere Stadt anschauen, da wir noch von St. Petersburg so beeindruckt und auch platt waren. Aber das Wetter hat uns wieder in eine Stadt getrieben. Um so erstaunlicher war es für uns, als wir uns sofort super wohl fühlten und nicht genug bekamen, all die kleinen Gassen mit den vielen kleinen Häusern, Geschäften und Lokalen anzuschauen.  

 1431 EST Tallinn1433 EST Tallinn

Am meisten ist natürlich um den Stadtplatz los, hier reiht sich ein Lokal an das andere.

 

1474 EST Tallinn1480 EST Tallinn

Aber die vielen kleinen Lokale abseits der Touristenmeile hatten es uns angetan. Hier liegt der Charme der Stadt.

1482 EST Tallinn1486 EST Tallinn

Wir waren jeden Abend unterwegs und haben uns andere Lokale vorgenommen. Und eins schöner als das andere. Einen lustigen Abend sind wir mit Hanna und Philipp unterwegs gewesen. Dann kam Marc, mit dem wir ja schon eine Woche in Schweden unterwegs waren. Wir hatten uns ein paar Tage vorher hier mit ihm verabredet und wollen ein paar Tage gemeinsam verbringen. Mit ihm hatten wir dann nochmal etliche Bars unsicher gemacht. In einen Privatclub kamen wir per Zufall rein: Es standen ein paar Leute beim Rauchen davor, aus dem ersten Stock klang gute Musik und ich fragte eben wie man hier reinkommt. O-Ton vom Inhaber: Only for happy people. Dann öffnete er mit einer Chipkarte den Türöffner und bat uns rein. Innen etwas schräge Leute, aber eine super Stimmung und wir die einzigen Touris. Perfekt.
Leisten kann man sich Tallinn übrigens auch: Essen bekommt man für 3-5 Euro und Drinks für 2-3 Euro, aber natürlich nicht auf der Touristen-Meile.

1444 EST Tallinn1445 EST Tallinn

Nach fünf Tagen Tallinn sind wir dann schweren Herzens weitergefahren, hier könnte man noch etliche Tage verbringen. Aber die Wetteraussichten waren gut und wir wollten doch endlich mal an den Strand. Wir fuhren mit Marc zusammen die Küste entlang Richtung Westen. Wir dachten, das wir in 20-30km außerhalb von Talllinn einen gemütlichen Strand mit Stellplatz finden werden. Wir suchten uns aber einen Wolf. Hunderte von kleinen Straßen und Wegen, oft viel zu klein für unsere LKWs, sind wir abgefahren, aber entweder war alles verbaut, oder die Wege waren einfach zu klein. Wir hatten uns schon das ganze Auto von den nierigen Ästen der Bäume verkratzt. Das macht ja eigentlich einem Auto nicht viel, aber wenn die Äste mal so niedrig hängen, dass kein durchkommen mehr ist, bleibt halt nur noch der Weg rückwärts. Das kann dann auch schon mal etwas aufwändiger werden, die Kiste mit knapp 8m Länge, 2,50m Breite, 3,50m Höhe und 10 Tonnen Gewicht aus so einem kleinen Waldweg rückwärts wieder raus zu bekommen. Nach 220km und 10 Stunden Fahrt! wurden wir dann endlich fündig. Wir wurden für unsere Mühe aber dann doch noch reichlich belohnt.

Ach ja, zwischenzeitlich durften wir noch am Strand ein bisschen im Sand wühlen. Macht auch mit 10 Tonnen reichlich Spaß!

 

 1505 EST1510 EST

Ein Platz direkt am Meer, ein Stellplatz ausreichend für unsere zwei LKWs, eine Feuerstelle und sonst außer ein paar kleinen Ferienhäusern nichts drumrum. Hier wollen wir endlich mal die Sonne für ein paar Tage genießen. Städte anschauen, wenn sie auch noch so super sind, war jetzt einfach genug.

  1511 EST1512 EST

Nach zwei Tagen kam dann doch noch der große Regen, wir wollten uns aber nicht vertreiben lassen und haben im strömenden Regen draußen Bocca gespielt. Es half aber nichts am vierten Tag sind wir dann weiter. Marc wusste noch einen schönen Platz am Strand kurz vor der Lettischen Grenze. Auch hier das gleiche Spiel: Auf der Fahrt war noch richtig schönes Wetter, am Strand angekommen schon die dicken Wolken, zum Grillen hat es grade noch gereicht und dann....Regen, na klar auch am nächsten Tag.

 1516 EST1518 EST

Wir beschlossen weiter nach Lettland zu Fahren. Hier hatten wir von zwei Deutschen, die wir in Tallinn getroffen hatten, einen Tipp bekommen, dass es auf dem Fluss Gauja, ca. 60 km vor Riga super zum Kajaken ist. Aber dazu mehr im nächsten Bericht.

 Alle Bilder von Estland

 

website design software
[Home] [Aktuell] [Reiseberichte I] [Deutschland] [Luxemburg] [Belgien] [Holland] [Dänemark] [Schweden] [Norwegen] [Finnland] [Russland] [Estland] [Lettland] [Litauen] [Polen-Slowakei] [Ungarn] [Reiseberichte II] [Fahrzeug] [Freunde] [Gästebuch] [Impressum]